Die letzte Woche war etwas chaotisch. Nachdem ich sonntags im Thong Nhat Stadion war, um mir ein Spiel der V-League (die höchste Spielklasse des vietnamesischen Fußballverbands) anzugucken, wollte ich eigentlich montags mit ein paar Freunden zu einer mehrtägigen Motorradtour aufbrechen. Da es jedoch die letzten Tage und besonders an besagtem Sonntag geregnet hatte, verschoben wir den Start unserer Tour in der Hoffnung auf besseres Wetter um einen Tag. Das Fußballspiel entpuppte sich als eine reine Enttäuschung, das Niveau war ungefähr Kreisliga A. Der MTV Stuttgart hätte den späteren Sieger der Begegnung zwischen Navibank Saigon und Vissai Ninh Binh (3:0) locker schlagen können. Naja, die Erfahrung war es auf jeden Fall wert und wenigstens saßen wir im Gegensatz zu den Gästefans unterm Dach.
Dienstags ereilte mich dann die frohe Botschaft, dass Freddy, ein halbvietnamesischer Freund aus Heilbronn, krank im Bett lag. Die Motorradtour war also gestorben. Wenigstens konnte ich so die Chance nutzen und mit einigen meiner Verwandten nach Ben Luc fahren, dem Ort, an dem das Haus meiner Urgroßeltern steht und wo ich seit 2002 nicht mehr gewesen war. Man muss leider sagen, dass das Haus dort noch steht, denn es muss in Bälde einem Vergnügungspark weichen. Abends besuchte ich einen Onkel und trank bei Goi Ga, einem vietnamesischen Hühnerkrautsalat, ein paar Dosen Heineken. Zum Vorteil wurde mir, dass es in Vietnam keine geregelten Ladenschlusszeiten gab und so konnte ich um ca. 22:30 Uhr spontan für den nächsten Morgen ein Busticket nach Mui Ne buchen.
Aufgrund der wittrigen Bedingungen befürchtete ich, dass mich in Mui Ne ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, wie vier Jahre zuvor in Sihanouk Ville. Ich hatte Glück, das Wetter war traumhaft und nachdem ich nach einer etwas längeren Suche nach einer geeigneten Unterkunft endlich fündig geworden war, konnte ich frohen Mutes ins Meer springen. Mein Zimmer war ein echter Glücksgriff, hatte ich zuvor eher bescheidene Unterkünfte zu relativ unverschämten Preisen angeboten bekommen, konnte ich im familiengeführten Thien Son Hostel ein geschmackvoll eingerichtetes Zimmer mit Meerblick und direktem Zugang zum Strand beziehen.
Da ich seit morgens nichts mehr gegessen hatte, begab ich mich in ein Restaurant direkt am Strand, dass mir von einer Freundin, der Hostelbeitzerin und vom Lonly Planet empfohlen worden war. Im Lam Tong gab es gutes Essen zu günstigen Preisen und wurde von mir im Folgenden mehrfach besucht. Nachdem ich nicht ein mal die Hälfte meines Tellers geleert hatte, wurde ich schon von einem, zu dem Zeitpunkt schon relativ angetrunkenen, Südafrikaner angesprochen. Innerhalb weniger Minuten fragte er mich mehrfach das Gleiche, kenn ich ja schon von meinem Alkoholiker-Nachbarn Hubert. Jedenfalls kam ich durch ihn mit einem Vietnamesen ins Gespräch, der zu den Easy Riders gehört, die in Vietnam Motorradtouren organisieren. Wir verabredeten uns für den nächsten Abend zum Lau (eine Art vietnamesisches Fondue) essen.
Am nächsten Tag mietete ich mir ein Motorrad, um die Gegend zu erkunden. Das erste Ziel war Po Sah Inu, eine Tempelanlage der Cham aus dem 9. Jahrhundert. Die zwei Türme selbst waren eher weniger spektakulär, dafür aber die Aussicht von dem Hügel, auf dem die Türme erbaut wurden. Im Folgenden entschloss ich mich, die Sanddünen, für die Mui Ne bekannt ist, zu besuchen. Jedoch hatte ich von etwas außerhalb gelegeneren Dünen gehört, die weitaus interessanter sein sollen. Ich fuhr also mit dem Motorrad aus der Stadt raus und entlang der Küste, was wirklich viel Spaß machte. Der Verkehr ist auch nicht mit dem in Saigon zu vergleichen, es kamen mir kaum Motorräder oder Autos entgegen. Nachdem ich ca. 20 km aus Mui Ne rausgefahren war und weit und breit kein Anzeichen von Zivilisation zu sehen war, kehrte ich sicherheitshalber um, da ich befürchtete, dass mir der Sprit ausgehen könnte, die Anzeige des Motorrads war defekt. Ich begnügte mich also mit den Dünen in Mui Ne, die aber auch beeindruckend waren. Am Rand der Stadt gelegen, kommt man sich vor, als ob man mitten in der Wüste stünde. Die Jungs und dann ein mich mit großen, Mitleid erregenden Augen anschauendes Mädchen, die mich dazu bewegen wollten, mit einer Matte die Dünen runterzurutschen, konnte ich erfolgreich vermitteln, dass mit mir kein Geld zu verdienen war. Bevor ich mich zum Abendessen mit den Leuten vom Vorabend traf, sprang ich noch kurz ins Meer, um den Staub der Straße loszuwerden.
Am nächsten Tag erwartete ich gegen Mittag eine Freundin, die ich in Saigon kennengelernt hatte. Bevor sie ankam und ich das Motorrad zurück geben musste, fuhr ich zur so genannten Fairy Spring, einem Fluss, der durch Sanddünen fließt und dessen Ufer seltsam geformte Steingebilde säumen. Ich wurde gleich von zwei Jungs belagert, die sich mir als Guide anboten. Da der Reiseführer einen Guide als ratsam ansah, ließ ich mich, nachdem ich mich auf einen Preis geeinigt hatte, von den beiden führen. Natürlich versuchten mich die Schlitzohren, übers Ohr zu hausen und zu verarschen. Wir kletterten eine Düne hoch, wo einer der Jungs mir sagte, dass ich ein Foto machen solle und wir dann umkehren würden, da der Trek bereits zuende sei. Das Argument, dass ich nichts zahlen würde, wenn wir jetzt umkehren würden, trug seine Früchte und wir kletterten die Düne an anderer Stelle wieder hinunter, um an den Fluss zu gelangen. Der Weg führte uns durch einen Wald bis zu einem kleinen Wasserfall, an dem es tatsächlich kein vorbeikommen gab. Zumindest konnte ich keinen Weg ausmachen, also machten wir kehrt, um durch den Fluss watend, zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Bevor wir jedoch das Ufer erreichten, flitzte noch eine kleine grüne Schlange direkt vor meinen Füssen über den Weg. Ich erschrak schon ein bisschen, schließlich war ich Barfuß unterwegs und wäre um ein Haar auf die Schlange getreten. Ich will mir gar nicht ausmalen, was dann passiert wäre.
Nachdem Mimi mit etwas Verspätung in Mui Ne eingetroffen war, verbrachten wir den restlichen Nachmittag am Strand. Momentan ist keine Saison in Mui Ne weshalb relativ wenig los war, was sich später auf der Erkundungstour des Nachtlebens ebenfalls widerspiegeln sollte. Nichts desto trotz verbrachten wir eine unvergessliche Nacht am Strand. Wir trafen auf eine bunt gemischte Reisegruppe von vier Personen, später gesellten sich noch zwei Russen dazu, mit denen wir bis vier Uhr morgens ein Saufspiel spielten und den wirklich lustigen Abend mit Nacktbaden ausklingen liessen.
Gestern traf sich auf meinen Vorschlag hin die gesamte Familie zum Mittagessen und Bier trinken. Neben der Vernichtung von 48 Dosen Heineken und einer Flasche Reisschnaps, vergnügten wir uns mit Karaoke singen. Meine Versuche, vietnamesische Lieder zu singen, sorgten für allgemeine Erheiterung.
Für Erheiterung sorgte am Strand auch folgendes Szenario, ein "behinderter" Schaufelbagger: