Erste Eindrücke aus Sambia

Lusaka – Sambias Hauptstadt

Nach knapp 19 Stunden Reise sind mein Mitbewohner Thomas und ich in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, angekommen. Auf dem Flug von Dubai nach Lusaka saß Rejoice neben mir, ein sehr freundlicher, sambischer Zeitgenosse, der uns nach Ankunft ein Taxi zu unserer Unterkunft besorgt hat, damit wir nicht abgezockt werden. Ein Taxameter gibt es nämlich nicht und so muss der Fahrpreis individuell verhandelt werden.

Nach Ankunft im Hostel haben wir uns auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Die Ansage unserer Gastgeberin, dass sonntags in der Stadt nichts los sei, war noch untertrieben. Bisher war es mir total fremd, dass in Entwicklungsländern sonntags keine Geschäfte gemacht werden, in Sambia scheint jedoch lediglich die Infrastruktur aufrecht erhalten zu werden. Glücklicherweise konnten wir uns immerhin mit Bargeld eindecken und auch Shoprite hatte geöffnet, wohl eine der großen Supermarktketten Sambias. Mit ausreichend Flüssigkeit versorgt, marschierten wir durch das trostlose Lusaka zu den Lusaka Backpackers, einem Hostel über das ich für uns eine 3-tägige Kanutour auf dem Lower Zambezi klargemacht hatte, welche wir noch bezahlen mussten. Die Buchung des Ausflugs hatte mich in der letzten Woche vor Abflug den letzten Nerv geraubt, denn die Informationen, die man im Internet erhält sind wenig bis garnicht vorhanden oder sehr unzuverlässig, auch mein Reiseführer war in dieser Hinsicht keine große Hilfe. Ebenso ließ die Antwortquote der kontaktierten Touranbieter mehr als zu wünschen übrig. Ein Weiteres trug Thomas dazu bei, der mich zu jedem Angebot von einer Dienstreise aus Istanbul wissen ließ, dass es ihm zu teuer war. Letztendlich erhielten wir dann von den Lusaka Backpackers über Facebook ein gutes Angebot, mit Pombo Safaris von Siavonga bis nach Chirundu zu paddeln und auf Inseln im Zambezi zu campen. Nachdem wir uns erfolgreich von einem Großteil der zuvor erworbenen Devisen wieder getrennt hatten, war es an der Zeit, dass erste sambische Bier zu uns zu nehmen. Garnicht so schlecht, dieses Mosi, aber für meine Verhältnisse, könnte es etwas kräftiger im Geschmack sein.

Erste Eindrücke von Land und Leuten in Sambia

Der erste Tag war damit überstanden. Die ersten Eindrücke sind mittlerweile verarbeitet und ich finde, der Reiseführer, mit dem ich mich auf die Reise vorbereitet hatte, hat mich doch etwas zu vorsichtig und misstrauisch werden lassen. Tatsächlich sind die Sambier wirklich sehr freundliche Leute und wenn sie einen mit „How are you?“ auf der Straße ansprechen, wollen sie tatsächlich nur „I’m fine. How are you?“ hören, um sich dann mit „I’m fine, thank you.“ zu verabschieden und jeder geht wieder seinen Weg und wollen einem nicht etwa irgendetwas andrehen, wie man es bspw. aus Asien gewohnt ist (Laos sei als lobenswerte Ausnahme erwähnt). Manchmal kommen sie auch einfach nur zu dir hin, um dir wortlos die Hand zu schütteln und verschwinden dann wieder genauso wortlos wie sie gekommen sind. Generell sind Touristen in Sambia anscheinend noch eine Seltenheit, zumindest sind wir bisher kaum anderen Touris über den Weg gelaufen. Das mag vermutlich daran liegen, dass sich der Tourismus auf die Nationalparks beschränkt und die wenigsten so mit der normalen Bevölkerung in Kontakt kommen und zum Anderen daran, dass momentan Nebensaison ist – es ist nämlich Regenzeit. Von dem Regen bekamen wir zunächst nicht viel mit, er beschränkte sich auf die Nacht. Tagsüber war es zunächst bewölkt und klarte dann zum Nachmittag hin auf. Das sollte sich ändern, doch dazu später mehr. Tatsächlich sind wir sogar von einer Gruppe junger Sambier „heimlich“ per Tablet im Vorbeigehen fotografiert worden, als wir gerade auf einem Mäuerchen saßen und einen Snack zu uns nahmen. Als ich die Aktion bemerkte, winkte ich in die Kamera. Peinlich berührt winkte die junge Dame zurück, was ihr das Gelächter ihrer Begleitungen einbrachte.Momentaufnahme irgendwo zwischen Lusaka und Siavonga, SambiaMomentaufnahme irgendwo zwischen Lusaka und Siavonga, Sambia

Kanutour auf dem Lower Zambezi – Tag 1

Montag morgens um 6 Uhr klingelte der Wecker, damit wir uns zeitig per Minibus nach Siavonga am Lake Kariba aufmachen konnten. Unser erstes Frühstück in Sambia gestaltete sich ziemlich britisch, wohl noch dem Einfluss aus der Kolonialzeit geschuldet.Minibus in SambiaÖffentliches Transportmittel in Siavonga, Sambia

Mit dem Taxi und Marteen, einem Holländer, der sich spontan dazu entschlossen hatte, uns zu begleiten, machten wir uns auf den Weg zum City Market, von dem aus Minibusse in Richtung Süden abfahren.City Market in Lusaka, Sambia Uns wurde eigentlich davon abgeraten, von dort aus abzufahren, weil es zu unsicher sei. Wir wurden allerdings mit dem Taxi direkt zum Bus geleitet, wo wir uns quasi nur ein Mal umdrehen mussten, um das Gepäck aus dem einen in den anderen Kofferraum umzuladen. So ging die Fahrt also los, zunächst mit erstaunlich viel Platz, der von hier und da auf dem Weg aufgegabelten Menschen besetzt wurde.Minibus in Sambia Man darf in jedem Fall keine Berührungsängste haben, denn es geht schonmal etwas beengt zu. Erschreckend ist, dass statistisch gesehen von zehn Fahrgästen sambischer Abstammung durchschnittlich zwei mit HIV infiziert sind. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu tun. Dass Sambia auf dem richtigen Weg zu sein scheint, zeigt die Tatsache, dass die Infiziertenrate unter dem afrikanischen Durchschnitt liegt und generell viel Wert auf Bildung gelegt wird, die aber spätestens mit der weiterführenden Schule ab Klasse 8 sehr kostspielig wird.

Die Kommunikation mit dem Guide in Siavonga gestaltete sich schwierig, denn es gibt Probleme mit der Registrierung meiner sambischen SIM-Karte und das Handy von Martin ging mitten im Gespräch die Puste aus. Nichtsdestotrotz gelang es uns, nach Ankunft in Siavonga die richtige Person anzutreffen, die uns zu unserer Unterkunft brachte, wo wir unseren Guide Sailor antrafen. Uns wurde im Eagles Rest Resort ein Zelt bereit gestellt, in dem wir die erste Nach kostenlos verbringen konnten.Ausblick vom Eagles Rest Resort auf den Lake Kariba, Sambia Eagles Rest Resort am Lake Kariba, Sambia Ausblick vom Eagles Rest Resort auf den Lake Kariba, Sambia Das Resort liegt in einer Bucht des Lake Kariba, ein Stausee, der sich über eine Länge von rund 300 km erstreckt und dessen Staudamm Ende der 1950er Jahre fertig gestellt wurde. Dieses Großprojekt kostete ca. 57,000 Einheimischen die Heimat, sie mussten teilweise gewaltsam umgesiedelt werden.Kariba-Staudamm, Sambia

Sailor erklärte uns, wie die Tour ablaufen würde. Am nächsten Tag sollten wir um 9 Uhr abfahrbereit sein, da wir die 22 km, die uns durch die Zambezi-Schlucht führte, vor Einbruch der Dunkelheit zurücklegen mussten.Sailor, unser Kanutour-Guide und Chef von Pombo Safaris, Sambia

Wie hätte es auch anders ein sollen, wir waren wie verabredet startklar, doch von Sailor und Dixon, dem anderen Guide, fehlte jede Spur. Mit 3-stündiger Verspätung trafen die beiden dann doch noch ein und teilten uns mit, dass der Plan geändert wurde und wir erst hinter der Schlucht mit der Tour beginnen könnten. Nach einigem Hin und Her konnten wir Sailor doch davon überzeugen, am ursprünglichen Plan festzuhalten. Wir durften per Sondergenehmigung die Grenze zu Simbabwe überqueren und wasserten die Kanus direkt hinter dem Staudamm.Grenzübergang am Kariba-Staudamm, Sambia Von dort aus passierten wir zunächst einige Stromschnellen und paddelten durch eine teils felsige, teils bewaldete Landschaft.Kanutour im Zambezi-Tal, Sambia Kanutour im Zambezi-Tal, Sambia Die ersten Tiere, die wir zu Gesicht bekamen waren Baboons, eine Affenart. Es dauerte nicht lange, da erblickte Sailor das erste Krokodil und auch ein Baby-Nilpferd konnten wir dabei beobachten, wie es ins Wasser ging.Ein junges Flusspferd im Zambezi-Tal, Sambia Ein junges Flusspferd im Zambezi-Tal, SambiaKrokodil am Ufer des Zambezi, Sambia Nach einigen Stunden auf dem Wasser zog vom simbabwischen Ufer her eine graue Wolkendecke auf und die ersten Wetterleuchten waren zu beobachten. Kurz nachdem die ersten Tropfen vom Himmel gefallen waren, befanden wir uns auch schon in einem handfesten Sturm und wir kämpften gegen Wind und Wetter. Thomas und mein Kanu drehte sich seitwärts in den Wind und wir konnten es nur unter großer Kraftanstrengung wieder in Fahrtrichtung drehen. Sailor paddelte zu uns, um unser Gepäck mit einer Zeltplane vor dem Regen zu schützen. Leider hielt die Plane dem Wind nicht stand und Sailor musste erneut zu uns kommen. Er fragte nach den Rettungswesten, entgegen unserer naheliegenden Annahme, nicht aufgrund der Bitte, dass wir diese anziehen sollten, sondern, um sie dazu zu benutzen, die Plane festzuklemmen. Die ganze Situation hatte schon etwas Angsteinflößendes, letztendlich schafften wir es aber doch noch unbeschadet, aber klitschnass aus der Schlucht und damit aus dem Sturm. Ende gut, alles gut. Wären wir nur eine halbe Stunde eher gestartet, wäre uns der Sturm erspart geblieben, außerhalb der Schlucht hatte es nämlich keinen einzigen Tropfen geregnet.Flusspferde im Zambezi, Sambia Flusspferde im Zambezi, Sambia

Die erste Nacht zelteten wir dann doch nicht auf einer Insel sondern auf dem Grundstück eines Bekannten von Sailor, da wir dort erst nach Einbruch der Dunkelheit eintrafen und die Insel nicht mehr erreichen konnten. Mit den einfachsten Mitteln zauberten Dixon und Sailor ein schmackhaftes Menü und nach ein paar Bier begaben wir uns in unsere Zelte, nicht jedoch, ohne von sambischer Seite Löwengebrüll zu hören zu bekommen. Die Nacht war begleitet von Flusspferdgrunzen und einer Stille, die man selten erlebt. Generell verlor man sich in der Zeit, ohne Uhr und Internet, Entspannung pur!

Kanutour auf dem Lower Zambezi – Tag 2

Am zweiten Tag paddelten wir weiter flussabwärts durch die afrikanische Idylle und sichteten unzählige Nilpferde und vereinzelt Krokodile, die es sich in der Sonne gemütlich gemacht hatten, sobald wir uns näherten, jedoch ins Wasser glitten.Zambezi, SambiaFlusspferde im Zambezi, SambiaFlusspferde im Zambezi, Sambia Man glaubt garnicht, dass Krokodile, die eigentlich keine natürlichen Feinde haben, so scheue Tiere sind. An ein sich sonnendes Krokodil wollten Thomas und ich uns vorsichtig heranpirschen, um ein paar gute Fotos zu machen, doch trotz Gegenwind schien es uns schon zu bemerken, als wir uns auf ungefähr 100 Meter angenähert hatten.Krokodil auf einer Insel im Zambezi, Sambia

Wie am Tag zuvor wurden wir am Nachmittag von einem Regenschauer überrascht, dem wir aber zunächst davon paddeln konnten. Anscheinend konnte Petrus diese Niederlage aber nicht hinnehmen und schlug erbarmungslos zurück, so dass wir erneut komplett durchgenässt auf einer Insel Zuflucht suchten und unser Camp aufschlugen. Kurz zuvor sahen wir noch eine Herde Antilopen relativ weit entfernt am Ufer grasen.Lower Zambezi, SambiaLower Zambezi, SambiaLower Zambezi, Sambia

Kanutour auf dem Lower Zambezi – Tag 3

Heute ließen wir es entspannt angehen und die meiste Zeit der letzten paar der insgesamt 56 Kilometer von der Strömung treiben. Jetzt liege ich in Siavonga in einer spärlichen Unterkunft unter dem provisorisch befestigten Moskitonetz, welches zum ersten Mal zum Einsatz kommt, nachdem ich es 2002 in Vietnam erstanden hatte. Morgen Früh geht es über Lusaka mit dem Bus in schätzungsweise 8-10 Stunden nach Ndola, wo wir uns mit meiner Tante und meiner Cousine treffen, die dort gerade ihr Auslandssemester absolviert.

Zwischenfazit

Die Kanutour war den organisatorischen Aufwand allemal Wert und bis auf den Sonnenbrand, den ich mir im Gesicht zugezogen habe, wird sie mir in guter Erinnerung bleiben, auch wenn uns die Sichtung von Löwen und Elefanten der Jahreszeit halber verwehrt blieb. Sailor und Dixon ist zu danken, sie haben uns gelehrt, den Wildtieren den nötigen Respekt und Freiraum zu gewähren, im Busch sind wir Menschen zu Gast und es war schön zu sehen, dass zumindest Pombo Safaris erkannt hat, dass die Natur Sambias größter Schatz ist, den es zu bewahren gilt. Das zeigt sich in kleinen Dingen, wie der Situation, dass Sailor einen Kronkorken aufsammelt, den jemand anderes liegen gelassen hat oder dass Essensreste, die wir nicht geschafft haben, nicht weggeschmissen, sondern entweder ansässigen Familien gegeben oder eingepackt und mitgenommen werden. Das hat mich in den letzten Tagen gemeinsam mit der unglaublichen Freundlichkeit der Sambier sehr beeindruckt.

Weitere Fotos folgen, Stromausfälle und schlechte Internetverbindung halten mich momentan davon ab…

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