Der Geschichte von Simbabwe auf der Spur

Harare – Hauptstadt von Simbabwe

Zwölf Stunden nachdem wir die Fahrt nach Harare in Lusaka angetreten hatten, sind wir an unserem Ziel, der Hauptstadt von Simbabwe angekommen. Insgesamt waren wir also von Ndola bis Harare mehr oder weniger 16 Stunden am Stück unterwegs. In Kariba hatten wir die Grenze über den Staudamm übertreten und unser Visa on arrival problemlos erhalten.

Im Bus haben wir einen Simbabwer kennengelernt, der uns beim Grenzübertritt und bei Ankunft in Harare behilflich war. Wir wären auch ohne seine Hilfe klargekommen, aber kamen quasi nicht darum herum, da er sie uns mehr oder weniger aufzwang. Die Busfahrt verlief relativ unproblematisch. Der Bus war nicht komplett ausgebucht und so hatten wir einigermaßen Platz, um es uns gemütlich zu machen und etwas zu schlafen. Jedoch wurden wir hin und wieder von überfahrenen Schlaglöchern und Unebenheiten aus dem Schlaf gerissen. Bei manchen Hubbeln hob ich förmlich ab, wurde einige Zentimeter hochgeschleudert, und landete dann wieder unsanft auf den nicht gerade üppig gepolsterten Sitzen. Einige Einheimische lagen im Gang, das dürfte noch weitaus unangenehmer gewesen sein.

Um ca. 3:30 Uhr kamen wir in Harare an. Eigentlich hatten wir erwartet, dass bei Ankunft zahlreiche Taxifahrer darauf warten würden, die Passagiere an ihr endgültiges Ziel zu bugsieren. Stattdessen herrschte zu dem Zeitpunkt gähnende Leere auf Harares Straßen und der Großteil der Mitfahrer blieb für weitere zwei Stunden im Bus und machte noch ein Nickerchen, während die Stadt langsam aber sicher aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte. Wir taten es den Einheimischen gleich, bis uns unser Gehilfe darüber informierte, dass er uns nun ein Taxi organisiert hatte.

Glücklicherweise konnten wir im Small World Lodge umgehend nach Ankunft unser Zimmer beziehen, so dass wir uns noch ein wenig auf’s Ohr legen konnten, bevor wir uns in die Stadt aufmachten, um diese zu erkunden. Genau wie Lusaka ist Harare einer Hauptstadt nicht würdig. Es ist ebenso ein gesichtsloses Moloch, geprägt von unattraktiver Architektur und den wohl rücksichtslosesten Autofahrer, die ich bisher auf meinen Reisen erlebt habe. Einzige Highlights waren zum Einen der African Union Square, eine wirklich anschauliche Grünanlage mitten im Zentrum, die wohl noch mehr hergemacht hätte, wenn die Brunnenanlage nicht trocken gelegen hätte, und zum Anderen die im Süden der Stadt gelegene Erhebung Kopje, von der man eine ganz nette Aussicht über die Stadt hat.Ausblick vom Kopje auf Harare, Simbabwe Mein persönliches Highlight war es, dass ich in einem Geschäft eine Musikabteilung fand und den Verkäufer dazu bewegen konnte, mir von zuhause ein paar Schallplatten einheimischer Künstler zu besorgen. Drei Platten habe ich mitgenommen, ohne reinhören zu können. Ich bin gespannt, kann auch ein Griff ins Klo gewesen sein.

Die Ruinen von Great Zimbabwe – Präkolonialistisches Herrscherzentrum

Enttäuscht von Harare machten wir uns direkt am nächsten Morgen auf den Weg nach Masvingo, eine Kleinstadt, die einige hundert Kilometer südlich von Harare liegt und Ausgangspunkt für die Erkundung der Ruinen von Great Zimbabwe ist. Da wir erstaunlich zügig in Masvingo ankamen, nutzten wir den Nachmittag, um uns in der Touristeninformation zu erkundigen, ob wir es noch zum Stausee Lake Mutirikwi schaffen würden und wie wir am besten am nächsten Morgen zu den Ruinen gelangen könnten. Versorgt mit den notwendigen Infos nahmen wir einen Minibus bis zu den Ruinen und organisierten mit Hilfe des Rezeptionisten des Great Zimbabwe Hotels ein Taxi, welches uns zu dem Staudamm und zurück brachte. Am Staudamm hat man eine wirklich schöne Aussicht auf den Stausee, der lediglich als Trinkwasserreservoir und nicht wie der Kariba-Staudamm zur Energiegewinnung genutzt wird.Lake Mutirikwi, SimbabweLake Mutirikwi Staudamm, Simbabwe Lake Mutirikwi Staudamm, SimbabweLake Mutirikwi Staudamm, SimbabweLake Mutirikwi Staudamm, SimbabweLake Mutirikwi Staudamm, SimbabweLake Mutirikwi Staudamm, Simbabwe Anscheinend sind Touristen dort nicht häufig anzutreffen und wieder einmal wurden Thomas und ich selbst zur Attraktion und der Staudamm-Verwalter, der uns für das Betreten des Damms zunächst 5 $ abgeknüpft hatte, bestand darauf, mit uns ein Foto machen zu dürfen. Diese Bitte konnten wir natürlich nicht ausschlagen.Lake Mutirikwi Staudamm, SimbabweAuf dem Rückweg hielten wir einen Transporter an, um zu fragen, ob man uns auf der Ladefläche mit nach Masvingo bringen könnte. Nach anfänglichem Zögern, ließ man sich auf den Deal ein.Hitchhiking in Simbabwe Die eigentlich Handeltreibenden machten noch einen Stopp bei einem Markt, um noch ein paar der geladenen Kohlköpfe zu verkaufen und der Fahrer brachte seine Frau und zwei seiner Söhne noch nach hause, bevor Breir uns in Masvingo absetzte. Der Kontakt mit Breir war wieder einmal ein spannender Einblick in das Leben der Einheimischen.

Zurück in Masvingo besorgten wir uns im Supermarkt unser Abendessen. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass die meisten größeren Supermärkte in Simbabwe eine heiße Theke haben, wo man leckeres Essen für wenig Geld erhalten kann. Generell gestaltet sich das Besorgen von Nahrungsmitteln etwas schwierig, wenn man nicht rund um die Uhr vor Fett triefende Hähnchenteile essen will. In der Tat scheinen die Simbabwier und auch die Sambier zu jeder Tageszeit frittierte Hähnchenteile zu essen, an jeder Straßenecke findet man Chicken Inn oder Chicken Slice, seltener auch mal ein KFC. Einige bieten auch Beef Burger an, aber bisher war nie einer vorrätig. Nach zwei Wochen sind wir mittlerweile etwas von dem eintönigen Speisenangebot genervt. Street Food, wie man es aus Asien kennt, scheint hier nicht üblich zu sein. Gegrilltes mit Sadza (in Samiba Nshima) geht aber eigentlich immer klar und ist günstig zu erhalten.

Am nächsten Morgen standen wir um 5 Uhr auf, um zeitig und vor der Mittagshitze Great Zimbabwe bzw. das, was davon noch übrig ist, zu besichtigen. Wir fingen mit den Hügelruinen an, die nach einem kurzen Aufstieg erreicht waren.Great Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, SimbabweShona-Dorf bei Great Zimbabwe, Simbabwe Die lose aufeinander gestapelten Steinmauern fügen sich einigermaßen nahtlos in die felsige Umgebung ein und dienten vermutlich als Sitz der Herrscherfamilie und für rituelle Ereignisse.Hügelruinen von Great Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, Simbabwe Leider ist über die Geschichte hinter den Ruinen Great Zimbabwes wenig bekannt, da es nur mündliche Überlieferungen gibt und dilletantische Amateurarchäologen einen Großteil der Ruinen zerstört haben.

Mittlerweile ist Great Zimbabwe ein UNESCO-Weltkulturerbe und entsprechend geschützt. Die Aussicht von den Hügelruinen ist atemberaubend und gerade in den Morgenstunden sind die Lichtverhältnisse traumhaft.Great Zimbabwe, SimbabweEin weiteres Merkmal ist die recht gut erhaltene Ruine unterhalb des Hügels, in der auch ein konischer Turm steht, der zum Wahrzeichen Simbabwes geworden ist.Great Zimbabwe, Simbabwe Der Sinn des massiv gebauten Turms ist bis heute ein Rätsel. Es wird vermutet, dass in der Kreisruine die erste Frau des Königs gewohnt hat und dort unter anderem jüngeren Frauen Sexualunterricht gegeben haben soll (bei Ausgrabungen wurden Phallusplastiken unterschiedlicher Größe gefunden) und Initiationsriten durchgeführt wurden.Great Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, Simbabwe Da, wie gesagt, keine schriftlichen Überlieferungen existieren, basieren die Mythen um Great Zimbabwe auf Spekulationen und Ausgrabungsgegenständen. Sicher ist, dass die ersten Bautätigkeiten um ca. 500 nach Christus begonnen haben und Great Zimbabwe im 15. Jahrhundert nach seiner Blütezeit verlassen wurde und in Vergessenheit geraten ist. Die Existenz präkolonialistischer Kultur wurde von den Kolonialmächten unter Verschluss gehalten. Dies hätte wohl nicht in das zu Kolonialzeiten vorherrschende Bild gepasst, dass es sich bei den Afrikanern um unzivilisierte Wilde bzw. Menschen zweiter Klasse handelte.

Auf dem gesamten Gelände verstreut findet man Grünmeerkatzen, die für Fotografen willkommene Motive darstellen.Great Zimbabwe, SimbabweGreat Zimbabwe, SimbabweIn Masvingo hatten wir im Backpackers Rest eingecheckt, der wohl in jeglicher Hinsicht billigsten Absteige der Stadt. Im Reiseführer schmeichelhaft als schmucklos beschrieben, fanden wir eine heruntergekommene Unterkunft vor. Da es eine Küche für Selbstversorger gab, hatten wir uns Nudeln besorgt, um uns ein günstiges Abendessen zuzubereiten. Was wir bei Betreten der Küche vorfanden, entbehrt sich jedweder Beschreibung. Ich muss von Glück sprechen, dass das Licht kaputt war, sonst hätte sich mir unweigerlich der Magen umgedreht. Nicht nur, dass es von Küchenschaben nur so wimmelte, sondern auch das Mobiliar war in einem desolaten Zustand und man wunderte sich, wie die Schränke überhaupt noch zusammen hielten. Allen Umständen zuwider überwanden wir unseren Ekel und kochten unser Essen, wie geplant. Tatsächlich überstanden wir diese Mahlzeit ohne weitere Beschwerden in der Magen-Darm-Region unserer stählernen, durch nichts zu verwüstenden Körper.

Matobo Nationalpark

Wir entschlossen uns, die nächsten zwei Tage in Bulawayo zu verbringen, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Im Vergleich zu Harare geht es dort wesentlich beschaulicher zu und wir konnten uns von den Reisestrapazen der letzten Tage erholen.Bulawayo, Simbabwe Bulawayo, SimbabweDie erste Unterkunft, die wir ansteuerten existierte nicht mehr und wir wurden an eine andere Unterkunft verwiesen, die angemessene Preise böte. Dort angekommem, entpuppte die sich als Lodge, in der anscheinend Weiße unterkommen und unter sich bleiben. Nicht das, was wir uns vorstellten und mit 120 $ pro Nacht auch nicht in dem Preisniveau, auf das unser Reisebudget ausgelegt ist. Wieder zurück in der Stadt, fanden wir mit dem Berkley Place dann doch noch eine Behausung, die uns zufrieden stellte.

Wie der Zufall so will, trat im Safari Club gegenüber eines Restaurants, in dem wir zu Abend aßen, ein Jazzkapelle auf, so dass wir dort spontan auf ein paar Bierchen einkehrten.Jazzkapelle in Safari Club, Bulawayo, SimbabweAm nächsten Morgen wollten wir uns erkundigen, wie wir am besten in den Matobo Nationalpark kommen und wie wir weiter zu unserem nächsten Ziel, den Voctoria Falls gelangen könnten. Wir hatten von einem Nachtzug gehört, der günstig ist und wir so gleichzeitig eine Übernachtung hätten sparen können. Am Bahnhof angekommen, gleich die Ernüchterung. Die Züge fuhren nicht, anscheinend wird momentan gestreikt. Also doch wieder Bus fahren.

An der Rezeption unseres Hotels trafen wir auf die britische Besitzerin des Hotels, die uns spontan eine Fahrt in den Nationalpark organisierte. Der Preis war unschlagbar, beinhaltete aber keinen Guide, sondern nur einen Fahrer. Dennoch gelangten wir zu dem World View, an dem man eine atemberaubende Aussicht auf die bezaubernde Landschaft hat und wo Cecil Rhodes begraben liegt.Cecil Rhodes Grabstätte am World View im Matobo Nationalpark, SimbabweWorld View im Matopos Nationalpark, SimbabweWorld View im Matopos Nationalpark, SimbabweWorld View im Matobo Nationalpark, SimbabwePlattgürtelechse am World View im Matobo Nationalpark, Simbabwe Neben diesem Highlight sind Felsmalereien, die bis zu 10.000 Jahre alt sind, das Besondere des Matobo Nationalparks.Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, SimbabweDie Höhlenmalereien sind wirklich beeindruckend und von einer Genauigkeit, dass man zweifelsohne von Kunst sprechen kann.Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, Simbabwe Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, Simbabwe Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, Simbabwe Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, Simbabwe Leider sind viele der Zeichnungen schlecht erhalten,Nswatugi Cave im Matobo Nationalpark, Simbabwe aber es macht Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und immer wieder neue Gemälde zu entdecken.White Rhino Cave Painting im Matobo Nationalpark, Simbabwe In einer Höhle sind die Malereien leider nahezu bis zur vollständigen Unkenntlichkeit zerstört worden, als ein Forscher versuchte, diese zu konservieren, aber das falsche Mittel wählte.

Später fiel uns ein, dass wir uns auch ein Auto hätten mieten können. Augestattet mit unserem Reiseführer hätten wir uns auch alleine dort gut zurecht gefunden und es wäre auch nicht viel teurer geworden, wenn überhaupt.

 

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