Cuenca

Nachdem ich meine Blase entleert hatte, sprach ich zwei andere Touristen an, ob sie sich mit mir ein Taxi in die Altstadt Cuencas teilen wollten. Allerdings hatten die beiden unverhältnismäßig viel Gepäck dabei, so dass wir kein Taxi fanden, welches groß genug war, um uns alle transportieren zu können.

Wie sich herausstellte, waren beide Amis mit französischen Wurzeln und auf dem Weg zu einer Öko-Farm weiter im Süden Ecuadors. Sie hatten den Plan gefasst, dort zunächst als Volontäre zu arbeiten und im besten Fall sich dann dort niederzulassen. Ich wünschte den beiden viel Erfolg mit Ihrem Vorhaben und ließ mich in mein Hotel fahren.

Aufgrund meiner physischen Verfassung hatte ich eigentlich nur noch etwas essen wollen. Allerdings ließ mich die Neugier auf Cuencas Craft Beer Szene nach meinem Abendessen einen kleinen Spaziergang in den südlicheren Teil der Stadt machen. Zufälligerweise sah ich das Stadion auf Google Maps und da fiel mir wieder ein, dass Deportivo Cuenca heute ein Heimspiel hatte.

Ich würde es zwar nicht mehr ganz pünktlich zum Anpfiff schaffen, was mich etwas ärgerte, weil ich aufgrund der Hektik und meiner alkoholnachwirkungsmäßigen Verpeiltheit einfach nicht mehr an das Spiel gedacht hatte. Aber man ließ mich noch ins Stadion und so konnte ich den Rest des Spiel verfolgen.

Im Anschluss ging ich noch auf das ein oder andere Bier in die Mikrobrauerei The Pub. Im Laufe des Abends kam ich mit Sean, einem der Mitgründer und Brauer ins Gespräch. Die Biere waren eher mittelmäßig. Ich hatte in Montañita schon das ein oder andere ecuadorianische Kreativbier probiert und war auch dort meistens nicht von der Qualität überzeugt gewesen.

Jedoch ließ Sean mich ein gerade aus dem Fermenter zur Carbonisierung abgefülltes IPA probieren, welches vielversprechend schmeckte. Leider sollte ich nicht mehr die Gelegenheit bekommen, das fertige Bier probieren zu können. Warum erzähle ich weiter unten im Text.

Ein paar Tage später war ich dann noch bei der Cuenca Beer Company zu Besuch und auch hier überzeugten mich die Biere nicht. Tendenziell waren mir die Biere insgesamt zu sauer ausgelegt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Absicht ist oder ob es sich hier um Fehlaromen handelt. Bei den Ales fehlten mir stets die Hopfenaromen. Wie kann man ein Pils anbieten, welches wie ein belgisches Witbier schmeckt, während das Bier nach belgischer Brauart wie ein wässriges Helles schmeckt?

Auf Entdeckungstour in Cuenca

Mit 500,000 Einwohnern ist Cuenca die drittgrößte Stadt Ecuadors. Sie liegt auf 2,550 Metern über dem Meerespiegel und gehört bereits zu den Anden. Angeblich soll Cuenca Ecuadors schönste Stadt sein, die prunkvollsten Kirchen beherbergen und auch beeindruckendere Kolonialbauten haben als die Hauptstadt Quito. Ich war gespannt.

Da ich die Hauptstadt noch nicht besucht habe, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt kein finales Urteil fällen. Fest steht jedoch, dass Cuenca durchaus einen gewissen Charme hat, zumindest die Altstadt ist von Kolonialbauten geprägt und es gibt tatsächlich viele Kirchen. Wer drauf steht, wird wahrscheinlich auf seine vollen Kosten kommen. Hervor sticht in jedem Fall die Kathedrale, nicht nur, weil sie sich im Zentrum befindet, sondern auch wegen seiner auffälligen Bauweise.

Eigentlich wollte ich einem Spaziergang folgen, welcher in dem Stadtplan, den ich in meinem Hotel bekommen hatte, eingezeichnet war. Auf dem Weg zum Startpunkt fiel mir jedoch ein Gebäude auf, welches offensichtlich eine Aussichtsplattform hatte.

Die Neugier siegte über den geschmiedeten Plan und ich bahnte mir den Weg zu besagtem Gebäude. Ich weiß nicht, um was für ein Gebäude es sich handelt, aber die Fahrt mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform war kostenlos. Man kann auch die Treppe nutzen. Sportlich wie ich bin, tat ich das auch – nachdem ich mit dem Aufzug hochgefahren bin.

Auf dem Weg zum Museo de las Culturas Aborigenes, welches mir empfohlen worden, letztendlich aber geschlossen war, kam ich am Panamahut-Museum vorbei. Ein glücklicher Zufall, hatte ich mir doch vorgenommen, mir einen solchen Hut zu gönnen. Allerdings war das Museum eher ein Geschäft, als ein tatsächliches Museum. Das war mir zu bauernfängerisch und ich verließ den Laden wieder. Irgendwie fand ich die Hüte dann auch nicht mehr so sexy und ich habe mir dann doch keinen mehr gekauft.

Jedenfalls bin ich dann zum Museum für Antropologie, dem Museo Pumapungo am anderen Ende der Stadt gelatscht. Am iteressantesten fand ich die Inkaruinen, die sich hinter dem Museum befinden. Ich hatte mich ha eh schon genau auf so etwas gefreut. Mit den Anlagen in Mexiko können die Ruinen in Ecuador allerdings nicht mithalten. Das liegt maßgeblich daran, dass die Kolonialherren die Steune der Inka-Stätten dazu benutzten, ihre eigenen Gebäude zu bauen.

Die Ausstellung über die Geschichte und die verschiedenen Stämme Ecuadors waren anschaulich, jedoch, wie ich auch in Guayaquil feststellen musste, nur auf Spanisch beschrieben.

Die Inka-Ruinen von Ingapirca

Mit dem Bus fuhr ich morgens um 9 Uhr nach Ingapirca, wo die größte und am besten erhaltene Ruinenanlage Ecuadors zu besichtigen ist. Die Fahrt dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden.

Im Eitritt von zwei Dollar ist eine englisch- oder spanischsprachige Führung enthalten. Nachdem meine Führung für 11:40 Uhr angekündigt wurde, kam nach ca. zehn Minuten einer der Sicherheitsleute zu mir und sagte, die Führung fiele aus, ich könne mir die Anlage auf eigene Faust anschauen. Ich fragte nach einer Broschüre oder ähnlichem, damit ich mich über die Anlage informieren konnte. Gab es nur leider nicht.

Gemeinsam mit einer weiteren, um die englischsprachige Führung gebrachten Besucherin, erkundete ich also die Ruinen, ohne einen blassen Schimmer zu haben, was ich mir da gerade anschaute. Es gab zwar aufgestellte Schulder an den jeweiligen Stationen, jedoch waren diese inhaltslos.

Nach der Besichtigung war noch etwas Zeit, so dass wir noch einen Wanderweg, die Ruta Inca, ablaufen konnten, der hinter der Anlage beginnt und noch die ein oder andere undefinierbate Sehenswürdigkeit mit sich bringt. Unter anderem das Cara del Inca, das Inka-Gesicht, soviel konnte ich immerhin verstehen. Dies entpuppte sich dann tatsächlich als eine Felsenformation, die in der Tat an das Gesicht eines Inkas erinnert. Faszinierend, was die Natur manchmal so für Unsinn macht.

Cara del Inca

Hiking im Nationalpark El Cajas

Am Vorabend hatte ich mir eine Tour in den Nationalpark El Cajas gebucht und mich über eine Canyoning-Tour erkundigt, wobei da noch nich feststand, ob diese stattfinden würde. Man wollte mich per WhatApp auf dem Laufenden halten.

Mit einer kleinen Verspätung wurde ich von meinem Guide Juan abgeholt. Wir sammelten noch Sandra und Johanna ein, Mutter und Tochter aus Quito. Dann ging es los.

Erstes Ausflugziel war der Laguna Llaviucu, um den ein nicht allzu anspruchsvoller Wanderweg angelegt ist, der zum Teil zu dem berühmten Inca Trail gehört. Das besondere an dem See ist, dass es der tiefliegendste Gebirgssee in den Anden ist. Der See selbst liegt idyllisch eingebettet in einem Tal.

Inca Trail

Während der Wanderung erklärte uns Juan allerlei über die Flora und Fauna. Es ist wirklich interessant, wieviele nützliche Pflanzen und Kräuter sich in der Natur befinden. Die ein oder anderen Gerüche und Geschmäcker sind einem geläufig, andere wiederum total fremd.

Nach einer 25-minütigen Fahrt erreichten wir den nächsten Programmpunkt, den Laguna Toreadora auf ungefähr 4,000 Metern überm Meeresspiegel gelegen. Dort wanderten wir querfeldein über Stock und Stein.

Auch hier konnte Juan uns mit allerlei Informationen und geologischen Eigenheiten überraschen. Die wirklich wunderschöne Landschaft wurde von Gletschern vor ca. 6,000 Jahren geformt und teilweise gibt es dort endemische Tier- und Planzenarten, die nur dort vorkommen.

Die Anden-Tulpe kommt nur in den Anden vor.

Aufgrund der ungewohnten Höhe, gingen die teils steilen Wepassagen durch unwegsames Gelände ganz schön auf die Puste. Wir machten aber ausreichend Pausen, damit man wieder zu Atem kommem konnte. Im Großen und Ganzen war die Wanderung gut machbar und das Panorama entschädigte für jeden vergossenen Schweißtropfen.

Galapagos-Cruise, ja oder nein?

Da sich mein Ladekabel verabschiedet hatte, konnte ich erst abends nachschauen, ob ich am nächsten Tag mit zur Canyoning-Tour würde fahren können oder nicht. Parallel dazu hatte ich Angebote für einen Galapagos-Cruise angefragt. Allerdings würde auch dieser am nächsten Tag beginnen.

Eigentlich hatte ich mich von der Idee einer Bootstour auf Galapagos schon verabschiedet, denn die Suche nach einem geeigneten Angebot gestaltete sich schwieriger, als erhofft. Das lag vor allem daran, dass ich auf einem Segelschiff unterwegs sein wollte. Die Angebote hielten sich hier aber in Grenzen oder die Preise befanden sich in astronomischen Höhen.

Ich hatte keine WhatApp-Nachricht bzgl. der Canyoning-Tour erhalten. Aber zwei Angebote für einen Galapagos-Cruise waren eingetrudelt, der am nächsten Tag losgehen sollte. Es war schon relativ spät und ich kontaktierte den Besitzer und Betreiber der Nemo III, einem Segel-Katamaran und fragte diesen, ob er mir preislich entgegekommen würde, da ich ein günstigeres Angebot für den gleichen Cruise vorliegen hatte.

Als der Cruise in trockenen Tüchern war, musste ich noch einen Flug für den nächsten Tag buchen. Und ich musste noch am gleichen Tag nach Guayaquil kommen, um den Flug am nächsten Tag zu bekommen. Als alles geregelt war, checkte ich um kurz nach 19 Uhr vorzeitig in Cuenca aus und nahm um 20 Uhr den Bus, so dass ich um Mitternacht in Guayaquil sein würde. Eine Unterkunft hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Am Busbahnhof überwies ich erstmal die Kohle für den Cruise und als ich im Bus war, kümmerte ich mich um ein Zimmer. Geradeso, bevor im Niemandsland die Internetverbindung abbrach, hatte ich ein Zimmer geklärt.

Genauso stressig, wie ich in Cuenca angekommen war, so gestresst hatte ich es auch wieder verlassen. Hoch lebe die Spontanität!

Ob sich der Stress auch gelohnt hat? Ich werde berichten.

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