Guayaquil im Ausnahmezustand

Nach dem Flug von Madrid nach Guayaquil war erst einmal Warten angesagt. Vermutlich hatten wir Rückenwind, anders kann ich mir nicht erklären, dass wir eine Stunde vor planmäßiger Ankunft gelandet sind. Mein Pickup zum Hotel war natürlich so eingetaktet, dass mir ausgiebig Zeit gegeben wurde, um mein Gepäck zu holen und die Einreiseformalitäten zu erledigen.

Warum auch immer eine Stunde für diese Angelegenheiten anberaumt wurden, ist mir nicht ganz klar. Der Flughafen ist winzig, das Gepäck kam unmittelbar nach der Landung unversehrt auf dem Gepäckband an und die Einreiseformalitäten gingen reibungslos über die Bühne. Auch wenn die Grenzbeamtin mir einen erstaunten Blick zuwarf, nachdem ich ihre Fragen, ob ich alleine reisen würde und ob ich in Ecuador Bekannte oder Verwandte hätte, mit Ja bzw. Nein beantwortete.

Den ersten „Feindkontakt“ hatte ich mit einem Fahrdienstleister einer international bekannten Hotelkette. Es stellte sich heraus, dass er sich sorgte, dass ich nicht abgeholt würde. Eine sehr freundliche Geste. Insgesamt habe ich bisher einen sehr positiven Eindruck von den Ecuadorianern, soviel sei schonmal vorweg verraten.

Pünktlich um 19 Uhr sah ich dann meinen Chauffeur, der offensichtlich ein Schild hochhielt, auf dem mein Name stand. Allerdings, und das fand ich ja schon wieder putzig, hielt er das Schild falsch herum, jedoch schimmerte mein Name durch das Papier, so dass ich ihn identifizieren konnte. Als ihm sein Fauxpas auffiel, war das Eis direkt gebrochen.

Wir hatten eine unterhaltsame Fahrt, auch wenn er kein Englisch sprach, konnten wir uns halbwegs verständigen. Spanisch kann man ja schon verstehen, wenn man mit romanischen Sprachen vertraut ist und ich antwortete in einem Impro-Spanisch. Mehr schlecht als recht wahrscheinlich, aber es funktionierte.

Entgegen der Warnungen im Reiseführer und auf der Webseite des Auswärtigen Amts versicherte man mir im Dreamkapture Hostel, dass ich auch nach Einbruch der Dunkelheit ruhigen Gewissens im Viertel rumlaufen und noch was Essen gehen könnte.

Gesagt, getan. Und tatsächlich hatte ich nicht den Eindruck, dass mir Gefahr drohte. Ich denke, mit einem gesunden Menschenverstand ist man hier einigermaßen sicher. Auch von den Unruhen bekam ich zunächst überhaupt nichts mit.

Entdeckungsreise durch Guayaquil

Am nächsten Tag hatte ich geplant, mir Guayaquil anzuschauen und mit dem Taxi ins Zentrum zu fahren. Auch hier empfahl mir der Rezeptionist, einen Bus zu nehmen, der nur 40 Cent pro Fahrt kostet und mich direkt dort absetzen würde, wo ich hin wollte.

Ich kann wiederum nicht nachvollziehen, warum der Lonely Planet nicht empfiehlt, mit den Bussen zu fahren. Gut, die fahren schon wie die letzen Henker und sind teils übervoll, aber mir hat das Spaß gemacht. Praktisch ist auch, dass man den Bus seiner Wahl quasi überall entlang der Strecke per Handzeichen anhalten kann, wobei es auch offizielle Haltestellen gibt.

Nun bekam ich zum ersten Mal die Auswirkungen des Ausnahmezustands zu spüren. Der Bus fuhr nicht, wie gedacht, zur Flaniermeile Malecón 2000, sondern schmiss quasi alle Fahrgäste mit den Worten „Retorno“ irgendwo in der Stadt aus dem Bus. Na klasse! Im Hostel hieß es, mit dem Bus Nr. 85 zu fahren, sei idiotensicher.

Zum Glück bin ich kein Idiot. Nachdem ich mich orientiert und festgestellt hatte, dass ich garnicht so weit von dem Parque de las Iguanas, meinem ersten Ziel in der Innenstadt, entfernt war, bahnte ich mir den Weg eben dort hin.

Parque de las Iguanas

In dem Park, der eigentlich Parque Seminario heißt, wimmelt es von Leguanen. Laut Reiseführer die vermutlich einzige innerstädtische Population der Welt von bis zu einem Meter langen Landleguanen. Faszinierende Kreaturen. Ein paar haben mir Modell gestanden.

Direkt neben dem Park befindet sich die Kathedrale Guayaquils, die Catedral Metropolitana de Guayaquil. Sieht von außen ganz schick aus, aber eigentlich mache ich mir ja nichts aus Kirchen. Einen Blick ins Innere ersparte ich mir demnach.

Catedral Metropolitana de Guayaquil

Auf dem Weg zum Parque Centario wurden die Menschenmassen immer dichter. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, bis ich den Park erreichte und mich mit Hundertschaften der Polizei und des Militärs konfrontiert sah. Der Park war gesperrt und es herrschte eine gewisse Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann. Da es sich aber so anfühlte, als ob sich die elektrisch Spannung in der Luft jeden Moment entladen könnte, suchte ich raschen Schrittes das Weite.

Über den Prachtboulevard 9 de Octubre marschierte ich gen El Malecón, mir den Weg bahnend durch die ein oder andere Hundertschaft in Vollmontur. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Guayaquil Innenstadt: El Malecón, Santa Ana und Las Peñas

Der Malecón ist eine neu errichtete Flaniermeile mit Einkaufszentrum, Denkmälern und einem Vergnügungspark, der sich eher schlecht als Recht ins Gesamtbild mit den sich im Hintergrund befindlichen, bunten Favelas der Viertel Santa Ana und Las Peñas, einfügt.

Beide Viertel sind die ältesten der Stadt, rund 400 Jahre alt. Die restliche Stadt ist in der Vergangenheit mehrfach niedergebrannt und/oder wurde von Piraten überfallen und zerstört. Santa Ana ist aufwendig restauriert worden und über 444 Stufen erreicht man den Gipfel des Hügels, wo ein Leuchtturm darauf wartet, bestiegen zu werden.

Der Aufstieg lohnt sich allemal. Man hat von oben eine herrliche Aussicht über die Stadt und auf Las Peñas.

Der Rückweg ins Hostel gestaltete sich etwas schwieriger, als die Hinfahrt. Die Innenstadt war weitestgehend für den Verkehr abgeriegelt und dort, wo ich aus dem Bus geworfen wurde, hielt meine Linie offensichtlich nicht mehr.

Ich warf also die Warnung des Hostel-Rezeptionisten über Bord und holte mein Handy raus, um die Route des Busses zu recherchieren. Ich begab mich zur Route und lief diese ein bisschen stadtauswärts bis zur nächsten Haltestelle. Dort verweilte ich und hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als doch noch ein Bus der Linie 85 eintrudelte. Glück gehabt!

Ich ging relativ zeitig zu Bett, denn am nächsten Morgen ließ ich mich von meinem liebgewonnen Chauffeur zum Busbahnhof bringen, um nach Montañita zu fahren. Dort werde ich die nächsten zwei Wochen verbringen und bei der Montañita Spanish School im Rahmen meines Bildungsurlaubs Spanisch lernen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mit dem Bus nach Montañita

Dass mein Bus fahren würde, hatte ich schon von der Sprachschule mitgeteilt bekommen und ein Ticket hatte ich bereits vorab im Internet erstanden.

Das sollte noch ein Problem werden, denn der Kontrolleur im Bus wollte das Online-Ticket nicht akzeptieren und schickte mich zum Schalter. Dort versuchte ich den Mitarbeiter des Busunternehmens von der Echtheit des Tickets zu überzeugen. Ohne Spanischkenntnisse nicht ganz einfach.

Nachdem ich ihm auf meinem Handy die Bestätigungsmail – glücklicherweise auf Spanisch – und die Transaktionsbestätigung in meinem Online-Banking gezeigt hatte, wies er per WhatsApp seinen Kollegen an, mich mitfahren zu lassen.

Also meine Empfehlung: Kauft euch kein Online-Ticket für eine Busfahrt in Ecuador! Auch wenn auf der Webseite des Unternehmens eben dies in einem Werbebanner angepriesen wird. Das Bodenpersonal scheint davon keine Ahnung zu haben! Erspart euch den unnötigen Stress. Vor allem, wenn ihr keine Kenntnis der Landessprache habt. Anderereseits war das aber auch schon wieder eine Situation, die ich nicht vergessen werde.

Ich bin sicher in Montañita angekommen und hatte mittlerweile auch meine ersten Spanisch- und Surfunterrichtsstunden. Aber mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.