Bildungsurlaub in Montañita

Der eigentliche Auslöser für meine Reise nach Ecuador war die Recherche nach einem geeigneten Ort, an dem ich meinen Bildungsurlaub verbringen könnte. Oberstes Ziel war eine Gegend, in der es im Herbst noch einigermaßen warm oder es ein besonderer Ort ist, an dem ich noch nicht war.

Die anfängliche Idee war, eine Bildungsreise nach Usbekistan, Tatschikistan und Kasachstan zu unternehmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass die Reise bereits ausgebucht war. Ich konzentrierte mich also darauf, eine Sprache zu lernen. Nur welche und wo?

Ich erinnerte mich daran, dass ich letztes Jahr das Surfen ausprobiert hatte und ich das gerne mal vernünftig lernen wollte. Warum also nicht an einen Ort fahren, wo ich den Bildungsurlaub mit dem Surfen verbinden könnte? Zunächst konzentrierte ich mich auf Spanien bzw. eine der spanischen Inseln wie bspw. Teneriffa.

Als ich dann ein Angebot fand, welches da lautete: Spanisch und Surfen in Ecuador, war die Entscheidung quasi schon getroffen. Erstens wollte ich schon immer mal nach Südamerika. Zweitens erinnerte ich mich daran, dass ich als Kind oftmals bei dem Land Ecuador hängen blieb, wenn ich mit dem Zeigefinger über den Globus reiste. Wahrscheinlich weniger wegen der Lage oder dem Land selbst, sondern eher wegen dem Namen, der mir als Kind der Ähnlichkeit zu Äquator ins Auge stach.

Montañita Spanish School

Der Kontakt mit der Montañita Spanish School war von Anfang an hervorragend und mir wurde auch gleich mitgeteilt, dass ich meinen geplanten Aufenthalt besser um ein paar Wochen verschieben sollte. Mein Plan, Anfang November hinzufliegen, kollidierte mit nationalen Feiertagen und an denen hat die Schule geschlossen. Die ohnehin schon geforderten 30 Stunden Unterricht pro Woche würden sich dann anstatt von 5 auf nur 4 Tage konzentrieren. Einen solchen Stress wollte ich mir nicht zumuten, zumal ich ja auch noch zusätzlich Surfunterricht nehmen wollte. Es heißt ja schließlich BildungsURLAUB! Da darf selbiger ja nicht zu kurz kommen.

Ich verschob meinen Urlaubsbeginn also auf Mitte Oktober. Dies hatte den Vorteil, dass mir keine Feiertage im Weg stünden. Zusätzlich hatte ich auch einen größeren Spielraum, um mir Fußballspiele der ecuadorianischen Liga anschauen zu können. Nach hinten zu verschieben hätte auch den Nachteil gehabt, dass ich die Reise hätte in den Dezember ausdehnen müssen und hier beginnt die Hauptsaison.

Der Unterricht war so aufgeteilt, dass man pro Tag vier Stunden Gruppenunterricht hatte und zwei Stunden Privatunterricht. In der ersten Woche begann der Unterricht morgens um acht Uhr. Oh Gott, dachte ich mir, viel zu früh! Glücklicherweise half mir der Jetlag dabei, frühzeitig zu erwachen. Gleichzeitig fingen in der Nachbarschaft die Hähne an, um die Wette zu krähen und das ab vier Uhr morgens…

Die ersten beiden Tage hatte ich quasi komplett Einzelunterricht, weil ich der einzige Schüler war, der eine komplette Null im Spanischsprechen war. Mittwochs gesellte sich dann Philipp aus der Nähe von Köln dazu. Dies kam mir entgegen, da ich die Nacht zuvor ziemlich schlecht bis überhaupt nicht geschlafen hatte und entsprechend durchhing und wenig leistungsfähig war.

Unsere Klasse wurde im Laufe der Zeit um Sabrina und Emanuel, beide aus der Schweiz ergänzt. Die Lehrer sind durchweg supernett und kompetent gewesen und wir hatten viel Spaß im Unterricht. Das lag nicht zuletzt daran, dass ich immer wieder unterhaltende Diskussionen anstieß, wenn mir etwas im spanischen Sprachsystem unlogisch vorkam und ich die Sinnhaftigkeit dessen hinterfragte. Oder ich mir lustige Beispiele ausdachte, wenn wir mit bestimmten Vokabeln Sätze bilden sollten.

Mi clase

Im Großen und Ganzen kann ich jedem empfehlen, die Montañita Spanish School zu besuchen, um dort Spanisch zu lernen. Nicht nur ist die Schule meiner Meinung nach wirklich gut, sondern der Ort selbst ist natürlich etwas besonderes.

Mit der richtigen Einstellung erlangt man mithilfe der durchweg guten Lehrer einen enormen Fortschritt in relativ kurzer Zeit. Zusätzlich hatte mir der Privatunterricht mit meinem Lieblingslehrer Paul viel geholfen. Er brachte mir die wichtigsten grammatischen Strukturen bei, was mir sehr dabei geholfen hat, die gelernten Vokabeln in der Praxis anzuwenden.

Aber nicht nur, weil Paul ein guter Lehrer ist, verstanden wir uns gut. Er liebt, genau wie ich, das Bier. Und so haben wir, so gut es eben ging, auf Spanisch über allerlei das Thema Bier betreffende Dinge diskutiert. Muy divertido!

Meine Klassenkameraden

Neben dem Unterricht, organisiert die Schule an einigen Tagen der Woche unterschiedliche Aktivitäten, wie das montägliche Welcome Dinner, um die neu eingetroffenen Schüler Willkommen zu heißen.

Cena bienvenido

Mittwochs wird immer etwas Unterhaltsames gemacht. Meistens beginnt der Abend in geselliger Runde mit einem Spiel und endet dann im Ort in einem Club. Wie der Abend dann ausgeht, hängt von jedem selbst ab. Bemerkenswert war aber, dass nicht nur einige Schüler anscheinend angeschlagen waren und teilweise nicht zum Unterricht erschienen, sondern auch einige der Lehrkräfte waren sichtlich vom vorhergehenden Abend gezeichnet.

Weitere Aktivitäten waren Lagerfeuer am Strand oder Beach Volleyball. An Wochenenden werden Touren zum Surfen oder Whale Watching angeboten. Über die Feiertage sogar eine Tour in den Amazonas, was mir leider nicht in den Zeitplan passte.

La fogata con todos de los estudiantes

Montañita – eine Partystadt im Dornröschenschlaf

Montañita ist Ecuadors Surf- und Partymetropole. Obwohl ein kleines Dorf mit ein paar Tausend Einwohnern, wird es in der Hauptsaison von partywütigem Volk und Surfern überrannt. An jeder Ecke sind Hostels, Bars und Clubs zu finden. Da im Oktober und November der absolute Höhepunkt der Nebensaison ist, präsentierte sich mir Montañita im Dornröschenschlaf.

Es war nicht viel los, die Etablissements in der Regel menschenleer. Ich glaube, ich hätte meinen Aufenthalt nicht so genießen können, wenn der Ort überlaufen gewesen wäre. So war es doch weitestgehend entspannt, wenn da nicht das Hidden House Hostel direkt neben meiner Unterkunft, de Montañita Cabañas, gewesen wäre. Dort wird allem Anschein jede Nacht Party gefeiert, bei lautstarker, basslastiger Musik. Und ich hasse Techno! An einem Abend spielte eine Live Band, das ging klar. Aber sonst war es wirklich nervig.

Die Montañita Cabañas selbst gleichen einer Oase. Bestehend aus aus Bambus gebauten Hütten (Cabañas), in deren Mitte ein Pool und einige Hängematten dazu einladen, zu chillen. Alles umgeben von viel Grün. Herrlich!

Surfen lernen – Zwischen Frust und Glücksgefühlen

Wie schon eingangs erwähnt, wollte ich in der Zeit, in der ich Montanita besuchte, auch Surfen lernen. Obwohl in Montañita selbst hervorragende Bedingungen vorzufinden sind, fuhren wir mit unserem Surflehrer Jorge stets in das nächste Dorf Olón.

Ich schätze, dass es dort einfacher ist, Surfen zu lernen und nicht ganz so viel los ist, wie in Montañita. Die ersten zwei Tage waren eher frustrierend. Ich hatte Schwierigkeiten dabei, die Bewegungen zu koordinieren, die dazu nötig sind, auf dem Surfbrett aufzustehen. Ich war mega frustriert und dachte schon, dass ich zu blöd für das Ganze bin.

Die restlichen Tage der ersten Woche verzichtete ich auf das Surfen, da ich gesundheitlich etwas angeschlagen war. Ich verbrachte die meiste Zeit im Bett, wenn ich nicht gerade Unterricht hatte.

In der zweiten Woche ging es mir wieder besser und ich setzte den Surfunterricht fort. Und was dann passierte, war unglaublich. Direkt beim ersten Versuch, aufzustehen, gelang es mir. Was für ein Gefühl, auf dem Brett zu stehen und quasi über das Wasser zu schweben!

Im Laufe der Tage gelang es mir immer besser. Wobei ich noch Schwierigkeiten habe, die größeren Wellen richtig zu erwischen und da dann meistens nach wenigen Sekunden der Spaß schon wieder vorbei ist, wenn ich es denn überhaupt geschafft hatte, aufzustehen.

Aber ich habe gemerkt, wie die Kontrolle über das Brett immer besser geworden ist. Ich hab auf jeden Fall Blut geleckt und Bock, das Surfen weiterzumachen, wenn sich mir die Gelegenheit dazu bietet.

Insgesamt hatte ich eine wirklich gute Zeit in Montañita. Habe wirklich viel Spanisch gelernt, was mir auf der weiteren Reise sicher zugute kommen wird. Und ich bin motiviert, die Sprache so viel wie möglich zu praktizieren. Sprachenlernen macht mir einfach Spaß und es ist einfach ein ganz anderes Erlebnis, wenn man mit den Einheimischen in der Landessprache in Kontakt treten kann.

Den letzten Abend ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, mit meinen Klassenkameraden und anderen Schülern und auch ein paar Lehrern, nochmal einen drauf zu machen. Ich hatte mir allerdings vorgenommen, am nächsten Tag den Bus nach Guayaquil spötestens um 10 Uhr morgens zu nehmen, um am späten Nachmittag dann in Cuenca sein zu können.

Es war ein lustiger, feucht fröhlicher Abend und ich weiß nicht, wann ich im Bett war. Jedenfalls bin ich um 9:37 Uhr aus dem Koma erwacht und habe es geschafft, meine Sachen zu packen und um 10:03 Uhr im Bus zu sitzen. Ich war aber noch gut angetrunken und so schlief ich die gesamte Fahrt über.

In Guayaquil holte ich mir ein Ticket nach Cuenca und realisierte, dass der Bus ca. 10 Minuten später abfuhr. Keine Zeit zum Pinkeln, allerdings drückte die Blase. Im Bus sah ich, dass es glücklicherweise eine Toilette gab. Die war allerdings die gesamte Fahr über geschlossen. Dementsprechend war nach ungefähr vier Stunden Fahrt meine erste Amtshandlung in Cuence, einen ordentlichen Strahl abzulassen.

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